Schiffswinkel – Vom Meer zum Land

Unter Geologen ist diese etwa 250 m lange Straßenböschung schon lange als hervorragender Aufschluss bekannt, der unter dem Namen Profil „Am Schiffswinkel“ in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen beschrieben und als Geologisches Naturdenkmal geschützt ist.

Hier lässt sich in anschaulicher Weise die Entwicklung von den Gesteinen der „Ziegelschieferzone“ des Flözleeren Karbons, die noch in einem flachen Meeresbecken abgelagert wurden, über die in einem Delta entstandenen Sandsteine der Kaisberg-Formation bis hin zum ersten dauerhaft auf dem Festland wachsenden Kohlemoor beobachten, aus dem das Flöz Sengsbank hervorging. Erläuterungstafeln, die Teil des „Energiewirtschaftlichen Wanderwegs“ in Herdecke sind, erklären die Schichtenfolge und den früheren Bergbau im Stollen „Gotthilf“.

Am Nordufer der Hengsteysees an der Straße zu den Vereinigten Elektrizitätswerken AG ist eine Folge mehrerer Gesteinsschichten zu sehen. Die Schichtenfolge entlang des Seeufers reicht von der Ziegelschiefer-Zone des Namurs (vor 325 – 317 Mio.J.) bis zu den Kaisberg-Schichten. Die Bildungszeit umfasst ca. 500.000 Jahre.

Im Bereich einer Gesteinsfalte in der Nähe des Kraftwerkes treten abwechselnd Ton- und Sandsteinlagen auf. Diese wurden küstennahe im Meer abgelagert. Nach Norden hin (Richtung Kraftwerk) liegen diese Schichten flach. Im Umbiegungsbereich der Falte, dem sog. Faltenscharnier, biegen sie dann ziemlich abrupt in ein steiles Einfallen um. Diese Faltenstruktur, mit dem flach liegenden Mittelteil, wird als Koffersattel bezeichnet.

Geht man den Uferweg Richtung „Schiffswinkel“ zurück, kommt man in Gesteine jüngeren Alters. Zunächst herrschen noch Tonsteine vor, die für Meeresablagerungen typisch sind. Ein erstes mächtiges Sandsteinpaket (Grenzsandstein) markiert die Grenze zwischen dem älteren flözleeren und dem jüngeren flözführenden Oberkarbon. Zu dieser Zeit erstreckte sich in unserem Gebiet ein flaches Meer, das im Süden von einer Küstenebene begrenzt wurde. Von dem im Süden gelegenen Gebirge her, verfrachteten Flüsse große Mengen an Abtragungsmaterial als Sediment in dieses Meeresbecken. Der Grenzsandstein ist der älteste Schwemmfächer, der weit in das Becken hinein verlagert wurde.

Dieses Flussdelta wurde zunächst wieder vom Meer überflutet, was in den überlagerten Tonsteinen dokumentiert ist. Schon bald baute sich ein neues Flussdelta auf (Kaisberg-Sandstein). Es folgt nun ein Zyklus aus Meeresüberflutungen und Sedimenteinträgen durch Flusssysteme. Ab dem Bereich des Sengsbank-Sandsteins fiel das Gebiet für längere Zeit trocken und es konnten sich erste Waldmoore bilden. Aus diesen torfigen Ablagerungen entwickelte sich das Flöz Sengsbank, das hier etwa 50 cm Kohle führt.

War bis vorletzten Jahres der größte Teil des Berghangs über der Straße bewaldet oder mit dichtem Gestrüpp bedeckt, aus dem nur bereichsweise einzelne markante Felspartien herausragten, so haben Sanierungsarbeiten nun die gesamte zusammenhängende Felswand bis in große Höhe freigelegt. Der Fels wurde vom Hangschutt befreit und durch Felsanker, großflächige Steinschlag-Schutznetze und auch einige Partien durch Spritzbeton gesichert. In der Aufschlusslücke, die bisher zwischen der Sattelumbiegung und dem sog. „Grenzsandstein“ bestand, haben die Sanierungsarbeiten nun auch noch für eine Überraschung gesorgt: In dieser Partie verbarg sich ein komplizierter, von einer Überschiebung durchzogener Faltenbau, der in dieser Form vorher nicht erkennbar war.

Einige der wichtigsten Geotope/Aufschlüsse werden auf dieser Seite von Geologin Antje Selter von GeoTouring beschrieben.