Nationales Geotop – Ehem. Ziegelei in Hagen-Vorhalle

Die Ziegeleigrube in Hagen-Vorhalle, ist ein ehemaliger Steinbruch der Vorhaller Klinkerwerke. Seit den 1920er Jahren gelten der noch vorhandene Steinbruch sowie ein heute nicht mehr vorhandener Aufschluss weltweit als die reichhaltigsten Fundstellen für Pflanzenfossilien aus dem tiefen Oberkarbon.

Zu einer Lokalität von international bedeutendem Rang wurde sie durch die Entdeckung fossiler Spinnentiere und Insekten in einer zum Teil so vollständigen Erhaltung, wie bisher aus diesem Zeitabschnitt nicht bekannt war. Dies führte seit 1982 zu vielbeachteten wissenschaftlichen Ergebnissen und zahlreichen Publikationen. Im Mai 2006 wurde der aufgelassene Steinbruch zu einem „Nationalen Geotop“ erklärt.

Nachdem die Vorhaller Klinkerwerke die Ziegelproduktion im Jahre 1989 eingestellt hatten, wurde das Gelände völlig umgestaltet, um die Aufnahmekapazität zur Ablagerung von Bauschutt zu erhöhen. Dabei wurden die fossilführenden Schichten zunächst verschüttet, später aber wieder freigelegt.

Die in der Grube anstehenden Tonsteinschichten kamen während der Oberkarbon-Zeit (Namur B, vor 318 Millionen Jahren) in der Meeresbucht eines Flussdeltabereiches zur Ablagerung. Bei den mächtigeren Sandsteinen handelt es sich um kleinere Flussrinnen. Ein küstennaher Ablagerungsraum kann auch aufgrund der engen Vergesellschaftung von Faunenelementen aus verschiedenen Lebensbereichen angenommen werden. Die Abfolge dokumentiert nachhaltig die Abnahme der marinen Einflüsse im Oberkarbon.

Vom Festland wurden Landpflanzen (farnblättrige Pflanzen, Schachtelhalme, Siegel-, Schuppen- und Cordaitenbäume), Insekten (Libellen, Urnetzflügler, Urschnabelkerfe), Arachniden (u.a. Geißelskorpione) und Tausendfüßer eingeschwemmt oder eingeweht. Süßwasserfische (Stachelhaie, Strahlenflosser, Quastenflosser) konnten in der Bucht leben, da eine Überschichtung von Süßwasser auf Salzwasser statt-fand. Marine Lebewesen der Bucht waren Goniatiten, Muscheln, Brachiopoden und Krebstiere.

Weltberühmt ist die Fundstelle jedoch wegen der hier vorkommenden fossilen Landlebewesen, den Insekten und Spinnentieren. Der Stammbaum der Insekten lässt sich 400 Millionen Jahre in die Vergangenheit zurückverfolgen. Die ersten Insekten waren flügellos.

Die Insekten-Funde aus Hagen-Vorhalle zählen zu den weltweit ältesten bisher bekannten Exemplaren mit Flügeln. So z.B. Homioptera vorhallensis, eine urtümliche Libelle mit primitiven Flügelmechanismen. Im Vergleich zu heutigen Libellen sind die urtümlichen Exemplare aus Hagen-Vorhalle Riesen-insekten gewesen. Die Körperlänge von Homoiptera vorhallensis konnte gut 30 cm betragen.

Zwischen 1990 und 1997 führte das LWL-Museum für Naturkunde eine Grabung durch. Die Präparation der insgesamt 16.000 geborgenen Fossilien dauert derzeit noch an; die wissenschaftliche Bearbeitung einzelner Fossilgruppen konnte inzwischen abgeschlossen werden. Aufgrund der außerordentlich guten Erhaltung der Fossilien, zum Teil sind sogar Haut- und Farbreste überliefert, wird das Vorhaller Tonsteinvorkommen auch als Konservatlagerstätte bezeichnet.

Die Funde werden im LWL-Museum für Naturkunde in Münster und im Museum für Ur- und Frühgeschichte Wasserschloss Werdringen in Hagen ausgestellt. Darüber hinaus befinden sich noch einige Funde in Privatsammlungen. Da es sich um ein geschütztes Bodendenkmal handelt, ist das Sammeln und Graben nach Fossilien im Steinbruch verboten.

Einige der wichtigsten Geotope/Aufschlüsse werden auf dieser Seite von Geologin Antje Selter von GeoTouring beschrieben.