Hohenlimburger Kalkwerke, Steinbruch Donnerkuhle

Durch die zahlreichen und natürlichen Aufschlüsse an Felswänden sowie in Steinbrüchen und Tiefenbohrungen der Dolomitwerke ist die Beschaffenheit und Mächtigkeit dieses Kalkgesteins recht gut bekannt: Es handelt sich im ein Gesteinspaket, das im Hagener Raum mehr als 600 m mächtig ist und zum größten Teil aus Resten von Meerestieren besteht: Korallen, Muscheln, Stromatoporen, Brachiopoden u.a., die als Fossilien stellenweise gut erhalten sind. Es ist also ein fast reiner Kalk; gebietsweise ist er stark dolomisiert (Calcium-Magnesium-Karbonat).

Geologisch gesehen befindet sich der Steinbruch Donnerkuhle sowie die Hohenlimburger Kalkwerke am Nordrand eines ausgedehnten Massenkalkvorkommens.

Hier bildete sich vor ca. 370 Millionen Jahren, im höheren Mitteldevon (Givet), ein etwa 600 – 800 m mächtiger Riffkörper. Im Verlauf mehrerer Phasen ist dieser Kalkstein anschließend in Teilbereichen dolomitisiert worden. Überlagert werden Dolomit und Kalkstein von einer Gesteinsserie, die überwiegend aus Tonstein aufgebaut ist. Hierin sind lokal Faltenbilder entwickelt. Das Dolomitvorkommen wird nach Norden durch eine im Rheinischen Schiefergebirge bedeutende Großstruktur, die Ennepestörung, begrenzt. Diese ist derzeit im Steinbruch stellenweise aufgeschlossen.

Bei seiner Entstehung ist dieser Massenkalk ein Riff in einem flachen Randmeer zwischen dem heutigen Nordeuropa und dem herandriftenden südlichen Resteuropa gewesen, das mit dem Auffalten des variskischen Gebirges im Bereich des heutigen Sauerlandes trocken gefallen ist. Mit der anschließenden Verkarstung des Massenkalkes drang durch Spalten und Risse kohlensäurehaltiges Oberflächenwasser ein, die sich im weiteren Verlauf zu Gängen und Höhlen erweiterten. Dieses ehem. Riff stellt sich heute als ausgedehnter Kalksteinzug dar, der sich vom Neandertal bei Düsseldorf, über Wuppertal, Schwelm, Hagen und Iserlohn bis nach Balve erstreckt, zudem taucht er im Raum Warstein wieder auf.

Die beiden o.g. Steinbrüche sind bei Sammlern von Fossilien und Mineralien sehr beliebt.
Der Massenkalk ist reich an Fossilien, da die Riffe den unterschiedlichen Lebewesen Raum boten: Riffbildner waren hauptsächlich Korallenkolonien, Stromatoporen, (schwammartig koloniebildende Organismen) und Schwämme. Die Oberfläche der Riffplattformen hatten ästige Stromatoporen und verzweigte Korallen besetzt. In den zahlreichen Spalten und Rissen sowie auf dem Grund der Lagune siedelten großwüchsige Brachiopoden (Armfüßer), Muscheln und Schnecken. Freischwimmend bewegten sich Cephalopoden (Kopffüßer) und Fische im Riffbereich.

Am besten zugänglich sind die z.T. sehr gut erhaltenen Fossilien im Steinbruch der HKW, wo der Massenkalk zwar stellenweise dolomitisiert, an anderen Bereichen aber mergelige (kalkig-tonig) Gesteine, bituminöse Schiefer und in Spalten auch fossilreiche Lockergesteine eingeschaltet sind. Bei der Fauna handelt es sich um eine typisch obergivetische (382 – 375 Millionen Jahre) „Stringunc-Fauna“, die durch die Brachiopoden Stringocephalus burtini („Eulenkopf“) und Uneites gryphus bestimmt wird. In den Klüften finden sich Mineralien wie Calcit in mehreren Varietäten, Quarz, Pyrit, Baryt, Malachit, Mangan, Limonit und Hämatit.

Der Steinbruch Donnerkuhle machte mit Milleritfunden (Mineral) bis 20 cm Kristalllänge schnell unter den Sammlern die Runde. Solche gigantischen Exemplare wurden allerdings schon lange nicht mehr geborgen. Des Weiteren bietet die Fundstelle noch Funde von Galenit, Calcit, Chalkopyrit und Pyrit/Markasit.

Einige der wichtigsten Geotope/Aufschlüsse werden auf dieser Seite von Geologin Antje Selter von GeoTouring beschrieben.