Dem Massensterben auf der Spur – Hagen-Hohenlimburg Hasselbach

In Gesteinsablagerungen der letzten 600 Millionen Jahre sind weltweit sechs große und zahlreiche kleinere Massensterben überliefert. Das bekannteste, dem auch die Dinosaurier zum Opfer fielen, ist dabei noch nicht einmal das Größte! Sie zählen zu den spannendsten und rätselhaftesten Ereignissen in der Erdgeschichte, deren Erforschung die Wissenschaft vor zahlreiche Probleme stellt. So sind ihrer Ursachen aber auch ihre genauen Auswirkungen bis heute vielfach ungeklärt. Sie gelten jedoch mittlerweile auch als wichtige Weichensteller der Evolution, ohne die die Entwicklung des Lebens auf der Erde vielleicht einen anderen Verlauf genommen hätte.

Auch in den Gesteinen des Harzes und des Rheinischen Schiefergebirges finden sich Hinweise auf zwei große Massensterben: Dem oberdevonischen „Kellwasser-Event“ und dem „Hangenberg-Event“ an der Devon-/Karbongrenze. Beiden Ereignissen fielen über 50 Prozent aller Gattungen zum Opfer. Aussterbeereignisse sind jedoch nicht nur Relikte einer fernen Vergangenheit. Sie werden auch in Zukunft das Gesicht der Erde und die Entwicklung des Lebens entscheidend beeinflussen. Im Devon/Karbon Grenzbereich setzten einschneidende paläoklimatische und -ozeanographische Veränderungen ein und spiegeln sich in einem der bedeutendsten Aussterbeereignisse wider, dem globalen Hangenberg-Event.

Zu einem großen Artensterben kam es weltweit vor etwa 358 Millionen Jahren. In kurzer Zeit sind etwa 40 – 50 % der Tiere und Pflanzen ausgestorben. Was war wohl der Grund dafür, dass dieses ,,Massensterben“ stattfand? Es kann ein katastrophales Ereignis sein wie der sehr große Meteoriteneinschlag, der weltweite Auswirkung gehabt haben könnte. Man könnte sich auch vorstellen, dass es am Ende der Devon-Zeit zu Veränderung des Klimas und in den Nahrungsketten durch eine rasche Entwicklung der Landpflanzen kam, die letztendlich in einer weltweiten ökologischen Krise gipfelten. Den Übergang dokumentiert diese „Grenze“ zwischen den beiden Erdzeitaltern Devon und Karbon.

Die Devon-Karbon-Grenze lässt sich u.a. durch Überreste von Lebewesen bestimmen. Für bestimmte Zeitabschnitte der Erdgeschichte sind derartige „Leitfossilien“ für bestimmte Zeitabschnitte der Erdgeschichte kennzeichnend und treten weltweit auf. Weil das Alter dieser Fossilien bestimmt wurde, konnte die exakte zeitliche Grenze Devon-Karbon bei 358 Mio. Jahren festgelegt werden. Im Rahmen von wissenschaftlichen Untersuchungen wurden diese Leitfossilien in den Gesteinsschichten des Hasselbachtals gefunden. Die Grenze, die ziemlich genau bei 358 Millionen Jahren vor heute liegt, ist keine rein willkürlich gezogene Grenze, sondern spiegelt dieses globales Ereignis (ein „Event“) wieder.

Beinahe hätte daher das kleine Tal des Hasselbaches bei Hohenlimburg-Reh deshalb weltweite Wissenschaftsgeschichte geschrieben: Der Aufschluss blieb lange unbeachtet, bis in den siebziger Jahren eine Arbeitsgruppe der Internationalen Stratigraphischen Kommission eingesetzt wurde, die nach einem Typprofil suchte, das weltweit den Standard für diese wichtige Zeitmarke definieren sollte. Zur Auswahl standen vorrangig drei Kandidaten für die Festlegung der Devon-Karbon-Grenze zur Diskussion: Das Profil La Serre in der französischen Montagne Noire, das Profil Nanbiancun in Süd-China und eben das Hasselbach-Profil. Aus verschiedenen Gründen fiel die Entscheidung zugunsten des Profils La Serre.

Der Aufschluss im Hasselbach ist recht unscheinbar. Es handelt sich um eine Bachböschung von knapp 2 m Höhe, in der die Schichten auf einige Meter Länge hin frei liegen. Durch Nachrutschen des Hanges, Laubfall und den Aufwuchs von Buschwerk verfiel der Aufschluss immer mehr und war zum Schluss kaum noch zu erkennen. Bei den verantwortlichen Stellen der Stadt und in der Bevölkerung geriet dieses wissenschaftliche Highlight in Vergessenheit. Ganz anders die Situation in Frankreich und vor allem in Nanbiancun in China: Hier führte der Stolz der Chinesen über die internationale Anerkennung ihres Aufschlusses und der zu seiner Erforschung geleisteten wissenschaftlichen Arbeit dazu, dass er in Art eines Denkmals hergerichtet und für die Öffentlichkeit erschlossen wurde.

Auch das Umweltamt der Stadt Hagen hatte in Erwägung gezogen, diesen Bereich in Stand zu setzen. Diese Maßnahme ist allerdings noch nicht realisiert worden.

Einige der wichtigsten Geotope/Aufschlüsse werden auf dieser Seite von Geologin Antje Selter von GeoTouring beschrieben.